Zu Gast Bei Lang Tuning - OSt Talks Folge 9.1

Ein Blick hinter die Kulissen von Langtuning

In Folge 9 von Ost Talks sind wir zu Gast bei Jan Schäfer von Langtuning. Für uns war das nicht nur ein Podcast-Termin, sondern auch ein besonderer Moment. Wir durften uns vorab alles in Lengenfeld anschauen und haben einen direkten Einblick in die Entwicklung, Produktion und die Strukturen hinter einer der bekanntesten Simson-Tuning-Firmen bekommen.

Jan erzählt offen, wie Langtuning entstanden ist. Die Firma wurde 1994 von Andreas Lang gegründet, Jan stieg um 2000 ein und übernahm 2007 schließlich das Unternehmen. Damals noch ohne großes Team, ist Langtuning heute auf rund 20 Mitarbeiter gewachsen – organisch, wie Jan betont. Kein künstliches Aufblasen, sondern stetiges Wachstum aus eigener Kraft.


Vom ersten Tuningzylinder zur eigenen Firma

Besonders spannend ist Jans persönlicher Werdegang. Sein Einstieg ins Tuning begann klassisch: Ein Simson-Roller, erste Versuche mit gebrauchten Kolbenringen, viel Experimentieren – und auch Fehler. Informationen waren damals schwer zugänglich. Kein Smartphone, kein schneller Online-Shop. Man musste Kontakte knüpfen, Adressen per Hand notieren und sich Wissen praktisch erarbeiten.

Über die Jahre entwickelte sich aus der Begeisterung echtes Know-how. Jan begann, bei Langtuning Zylinder zu fräsen, war fest angestellt und übernahm schließlich die Firma. Dabei betont er immer wieder, wie wichtig Präzision, Struktur und Qualität von Anfang an waren – Eigenschaften, die schon Andreas Lang auszeichneten.


Rennsport als Entwicklungsschule

Ein zentrales Thema ist Jans Rennsport-Karriere. Er beschreibt sich selbst als den erfolgreichsten Fahrer der Simson GP mit insgesamt 14 Meistertiteln, darunter mehrere Europameisterschaften – sowohl solo als auch im Team. Er war europaweit unterwegs, trainierte im Winter sogar in Spanien und nutzte den Rennsport gezielt zur Weiterentwicklung von Technik und Produkten.

Für ihn ist Rennsport nicht nur Wettbewerb, sondern Testlabor. Viele Erkenntnisse aus diesen Jahren fließen direkt in Produktentwicklungen ein – von Zylindern über Auspuffanlagen bis hin zu speziellen Kurbelwellen.


Team, Netzwerk und Produktentwicklung

Was bei unserem Besuch besonders auffällt: Die Energie im Unternehmen. Jan beschreibt, wie wichtig ihm ein motiviertes Team ist. Ideen kommen nicht nur von ihm, sondern aus der gesamten Belegschaft. Entscheidungen werden diskutiert, abgewogen und gemeinsam getragen.

Produktentwicklung bedeutet bei Langtuning nicht, bestehende Teile minimal zu verändern, sondern gezielt neue Lösungen zu schaffen. Ein Beispiel ist der Membranzylinder mit fest integriertem Membrankasten und sogenannten Boysenports. Diese Bauweise verbessert laut Jan Stabilität, Haltbarkeit und Leistung. Auch Details wie das Weglassen eines Kolbenlochs wurden intensiv getestet – mit klaren Ergebnissen aus jahrelanger Prüfstandserfahrung.


50 PS am Hinterrad – Tuner Battle Projekt

Ein Highlight der Folge ist das Tuner-Battle-Projekt. Vom ersten Mausklick bis zum laufenden Motor vergingen nur 32 Tage. Ziel waren 50 PS am Hinterrad – erreicht wurden am Ende 50,2 PS. Möglich wurde das durch ein starkes Netzwerk: Gehäusebearbeitung, Zylinderguss, Beschichtung im Ausland, präzise Fertigung von Kurbelwellen.

Jan betont, dass nicht nur Wissen entscheidend war, sondern die Fähigkeit, dieses Wissen schnell und effizient umzusetzen. Genau darin sieht er die Stärke von Langtuning.


Wachstum, neue Halle und Zukunftspläne

Langtuning ist mehrfach umgezogen – von 60 m² Werkstatt bis hin zu heutigen großen Produktionsflächen. Aktuell entsteht eine neue Halle, um Lager- und Produktionskapazitäten zu erweitern. Hintergrund sind logistische Engpässe und lange Wartezeiten bei Motoren.

Parallel dazu entwickelt das Team eigene Produkte weiter, unter anderem im Bereich Motoröl. Auch hier zeigt sich: Langfristige Planung, Qualität und Praxiserfahrung stehen im Mittelpunkt.


Fazit

Diese Folge zeigt, wie aus Leidenschaft, Rennsport-Erfahrung und konsequenter Entwicklung eine feste Größe in der Simson-Szene geworden ist. Für uns war es spannend zu sehen, wie viel Struktur, Teamarbeit und technisches Detail hinter erfolgreichen Produkten stecken.

Die zweite Hälfte des Gesprächs folgt in der nächsten Episode.


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